Rohmilch-Monitoring

Milch und Milchprodukte haben ein gutes Image und werden von den Verbrauchern als gesunde, natürliche und unbelastete Lebensmittel wahrgenommen. Sie gehören deshalb ganz selbstverständlich zum täglichen Speiseplan der meisten Haushalte. Damit das auch zukünftig so bleibt, hat die bayerische Milchwirtschaft ein Gemeinschaftsprojekt gestartet, das die Rückstandsfreiheit der Rohmilch weiter sicherstellen und dokumentieren soll.

Neben einem Basismonitoring, das für jeden QM-Milch 2.0-Teilnehmer vorgeschriebenen ist, wird dabei besonderes Augenmerk auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln und Umweltschadstoffen, von Tierarzneimitteln und von Reinigungs- und Desinfektionsmitteln gelegt. Insgesamt werden so 16 verschieden Parameter in regelmäßigen Abständen überwacht. Wenn nötig werden zusätzliche Stoffe, die fachlich und/oder medial im Focus stehen, in den Untersuchungsplan aufgenommen. So wird jeweils auf die aktuelle Entwicklung reagiert und ein aussagekräftiges Bild der Rückstandsfreiheit der bayerischen Rohmilch gezeichnet.

Bayerisches Rohmilchmonitoring international vernetzt – Welche Themen werden uns in nächster Zeit beschäftigen?

Die milchZert GmbH organisiert für die Bayerische Milchwirtschaft ein
Rohmilchmonitoring-Projekt, Gesunde Milchdas die Grundstrukturen für ein gezieltes und ganz Bayern umfassendes Monitoring von Schadstoffen und Kontaminanten schaffen wird. Ein Teil der Arbeit besteht darin, die internationalen Entwicklungen zu verfolgen und für Bayern die richtigen Schlussfolgerungen aus den neuesten Erkenntnissen zu ziehen.

Dr. Christian Baumgartner, Geschäftsführer der milchZert GmbH und Mitglied in verschiedenen internationalen Arbeitsgruppen, hat während der letzten Analytischen Woche im Mai 2016 in Kopenhagen, Dänemark, eine Sitzung besucht, während der sich die Mitglieder des IDF Standing Committee on Analytical Methods for Additives and Contaminants und einige Beobachter mit dem Thema befassten, welche Zusatzstoffe und Kontaminanten in den nächsten Monaten und Jahren für die Milchwirtschaft von Bedeutung sein bzw. noch werden könnten.

Zusammen mit dem Chairman des Standing Committee Residues and Chemical Contaminants (SC RCC) Bob Salter wurde versucht die Lücken zu identifizieren, die bei den analytischen Methoden in diesem Bereich möglicherweise entstehen könnten.

Zum ersten Mal hatte man sich mit der Thematik im Rahmen der Analytischen Woche 2015 in Namur, Belgien befasst. Dabei wurde eine erste Liste erstellt, die nun überarbeitet und ergänzt wurde. Ziel war aber auch die Kommentare aus dem SC RCC einzuarbeiten und die vorliegende Zusammenstellung hinsichtlich ihrer konkreten Bedeutung zu bewerten.

Die neu aufgenommen Punkte befassen sich mit der Resistenzproblematik gegenüber Antibiotika. Hier wurde ein verstärktes Kommunikationsbedürfnis gesehen, um das Spannungsfeld zwischen Verbraucherschutz, Tiergesundheit und den Anforderungen der milchwirtschaftlichen Unternehmen zu beleuchten und entsprechend neutral zu informieren.

Genauso wurde Bedarf gesehen, insbesondere die Futtermittel der Kühe als Kontaminationsquelle für den Eintrag von Rückständen zu betrachten. Hier soll die Zusammenarbeit mit anderen Standing Committees von IDF gesucht werden. Genauso sollen insbesondere jene Medikamente betrachtet werden, die extrem lange Ausscheidungszeiten aufweisen und so ein erhöhtes Risiko für Rückstände in Lebensmitteln darstellen.

Selbstkritisch wurde von der Gruppe bemerkt, dass das Know-How zur Analytik, insbesondere für Referenzanalytische Methoden, recht schwach ausgeprägt ist. Es soll folglich eine Liste von kompetenten Fachleuten erstellt werden und versucht werden diese Liste mit spezifischen Experten für Bestätigungsmethoden (confirmatory methods) für Zusatzstoffe und Kontaminanten in Milch und Milchprodukten zu erweitern. Der Trend geht analytisch zu GC-MS/MS und LC-MS/MS Methoden die gleichzeitig eine Vielzahl von Analyten nachweisen oder horizontal für mehrere Matrices zu valide sind. Hier gibt es eine große Zahl von Experten in den USA und Kanada bzw. in Asien, die sehr aktive sind aber bislang nur sporadisch in die Arbeit von IDF eingebunden sind.

Im Rahmen der Analytischen Woche 2017 in Madison, Wisconsin, USA, wird erneut eine Aktualisierung der Liste vorgenommen werden. Anregungen und Vorschläge aus der Praxis, für welche Zusatzstoffe und/oder Kontaminanten passende Analysemethoden fehlen,  werden jederzeit gerne entgegen genommen.

 

Kontakt: Dr. Christian Baumgartner (baumgartner@milchzert.de)

Flyer zum Rohmilch-Monitoring

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Artikel zum Rohmilch-Monitoring aus Milchpur 4/2016

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